Ergotherapie Ausbildung

Ergotherapie
Counselling @ Pixabay

Was ist Ergotherapie?

Der Begriff Ergotherapie kommt aus dem Griechischen und setzt sich zusammen aus ‚ergon’= Leistung, Handeln und ‚therapeia‘ = Behandlung. Man könnte den Begriff frei übersetzen mit: durch Behandlung aktiv und leistungsfähig werden.

Die Ergotherapie unterstützt Menschen mit psychischen oder physischen Defiziten. Ein/e Ergotherapeut/in behandelt einerseits Patienten, welche durch eine Erkrankung oder Verletzung an körperlichen oder psychischen Einschränkungen leiden und dadurch nicht mehr aktiv am Leben teilnehmen können. Andererseits wird Ergotherapie eingesetzt, um drohende Einschränkungen zu verhindern oder abzumildern. Im Gegensatz zur Physiotherapie arbeitet die Ergotherapie, soweit es möglich ist, mit kreativen Mitteln. Das heißt, die Behandlungen beinhalten gestalterische handwerkliche Tätigkeiten wie beispielsweise Körbeflechten, Malen oder Holzschnitzarbeiten. Um die richtigen therapeutischen Maßnahmen wählen zu können, muss der/die Ergotherapeut/in über umfangreiche Kenntnisse verfügen, sowohl über die Anatomie des menschlichen Körpers und die Bewegungsabläufe und Funktionen der Muskeln als auch über Krankheitssymptome und ihre Ursachen. Je nach vorliegenden Defiziten des Patienten wird eine Tätigkeit ausgewählt, welche sich unterstützend und heilend auf die Krankheitssituation auswirkt. Der Betroffene wird zu seiner bestmöglicher Leistungsfähigkeit zurückgeführt oder befähigt seinen Alltag trotz bestehender Erkrankung weitestgehend selbständig zu bewältigen.

Ergotherapie wird in sehr vielen verschiedenen Bereichen eingesetzt. Ergotherapeuten arbeiten in akuten Kliniken genauso wie in Reha-Einrichtungen. Auch in der Psychiatrie, in Suchtkliniken, in Seniorenheimen, in Behindertenwerkstätten oder in selbständigen Praxen wird Ergotherapie angeboten.

Die Ausbildung

Die Ausbildung zum/r Ergotherapeuten/in dauert 3 Jahre und wird an Berufsfachschulen für Ergotherapie angeboten. Mit dem Bestehen der Abschlussprüfung darf die Berufsbezeichnung ’staatlich anerkannte/r Ergotherapeut/in‘ geführt werden. Die Voraussetzung für die Ausbildung ist mindestens die mittlere Reife. Mit Hauptschulabschluss wird man nur zugelassen, wenn man eine abgeschlossene Berufsausbildung nachweisen kann.

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Der Ablauf der Ausbildung

Zunächst wird zwei Jahre lang theoretischer und praktisch-handwerklicher Unterricht an der Schule besucht. Dabei richten sich die Schulzeiten nach dem im jeweiligen Bundesland gültigen Lehrplan, ebenso gilt die jeweilige Ferienordnung.

Die theoretischen Fächer sind folgende:

Fächer für Allgemeinbildung:

  • Recht
  • Berufskunde
  • Staatsbürgerkunde

Medizinische Fächer:

  • Anatomie
  • Physiologie
  • Biologie
  • Gesundheitslehre
  • Erste Hilfe
  • Arbeitsmedizin
  • Arzneimittellehre
  • Krankheitslehre

Sozialwissenschaftliche Fächer:

  • Psychologie
  • Pädagogik
  • Gerontologie
  • Soziologie
  • Sonderpädagogik

Ergotherapeutische Fächer:

  • Grundlagen der Ergotherapie
  • Rehabilitation
  • Prävention
  • Ergotherapeutische Behandlungstechniken
  • Hilfsmittel und Schienen

Handwerkliche Techniken werden in folgenden Bereichen unterrichtet und praktisch geübt:

  • Arbeiten mit Ton, Papier und Pappe
  • Einsatz von textilen Materialien
  • Bearbeiten von Leder und Metall
  • Körbeflechten
  • Holzverarbeitung

Praktika

Im dritten Jahr folgt die praktische Ausbildung. Dafür stehen verschiedene Einrichtungen als Kooperationspartner der Berufsfachschulen zur Verfügung. Als Ausbilder qualifizierte Ergotherapeuten betreuen und begleiten die Auszubildenden jeweils für drei Monate. Während eines Praktikums darf der/die Auszubildende zunächst den therapeutischen Sitzungen beiwohnen, um dann unter Anleitung selbst therapeutische Maßnahmen durchzuführen. Schließlich bekommt jede/r Auszubildende einen Patienten zugeteilt, für welchen er/sie eine geeignete Therapie wählt und am Ende des Praktikums in Anwesenheit einer Lehrkraft der Schule eine exemplarische Therapiestunde abhält. Außerdem ist nach jedem Praktikum ein Bericht zu verfassen. Die Bewertung des Berichts und der Therapiestunde ergeben die Gesamtnote für das Praktikum.

Die einzelnen Praktika müssen in verschiedenen Bereichen absolviert werden.

Zur Auswahl steht der psycho-soziale Bereich, den man in der Psychiatrie, in Suchtkliniken oder in Tageskliniken sowie in betreuten Wohngemeinschaften ableisten kann. Hier lernt der/die Auszubildende Aufgaben wie Aufklärung und Betreuung von Angehörigen sowie die Anwendung therapeutischer Maßnahmen, um Menschen mit einer psychischen Erkrankung dabei zu unterstützen, ein eigenständiges Leben zu führen.

Ein Praktikum in der Neurologie, der Orthopädie oder der Chirurgie, aber auch in Seniorenheimen, deckt den motorisch-funktionellen Bereich ab. Die Patienten sind Menschen mit neurologischen Defiziten, sehr häufig sind es Schlaganfall-Patienten, aber auch andere Erkrankungen werden hier behandelt. Die Betroffenen haben motorische Ausfälle, können sich nur eingeschränkt bewegen und benötigen Ergotherapie, um diese Defizite auszugleichen oder um ihnen entgegenzuwirken.

Das Praktikum in Arbeitstherapie wird meist in einer Behinderten-Werkstatt absolviert, aber auch in psychiatrischen oder Rehabilitation-Kliniken, welche Patienten auf ein Arbeitsleben nach einer Erkrankung vorbereiten. Hier geht es um Anpassung von Arbeitsplätzen gemäß der Behinderung, um Motivation, um Einschätzung von Leistungsfähigkeit und Heranführen an eigene Leistungsgrenzen.

Schließlich ist es noch möglich ein Praktikum in Pädiatrie oder Geriatrie zu wählen. Für die Pädiatrie arbeitet der Auszubildende in Ergotherapiepraxen mit, die auf Kinder spezialisiert sind. Um mit älteren Menschen zu arbeiten, bietet sich ein Praktikum in einem Seniorenheim an.

Die Auszubildenden können frei entscheiden, in welchen Bereichen sie ihre Praktika absolvieren möchten. Da die einzelnen Aufgaben in den unterschiedlichen Einrichtungen sehr verschieden sind, empfiehlt es sich, eigene Talente und Fähigkeiten zu berücksichtigen und Bereiche zu wählen, die nach abgeschlossener Ausbildung als Arbeitsplatz interessant wären.

Nach den Praktika kehren die Auszubildenden noch einmal für die Examensprüfungen an die Schule zurück. Die theoretischen Fächer werden schriftlich geprüft. Die handwerklichen gestalterischen Fähigkeiten müssen mit der Erstellung eines Werkstücks nachgewiesen werden. Schließlich bekommt jede/r Auszubildende per Los eine/n Patienten/in aus den kooperierenden Einrichtungen zugeteilt, für welchen er/sie den Befund und einen Therapieplan erstellt sowie vor der Prüfungskommission eine therapeutische Stunde abhält. Mit einer Gesamtnote von mindestens „ausreichend“ ist die Abschlussprüfung bestanden.

Kosten der Ausbildung

Die Berufsfachschulen sind in der Regel privat geführt und sind mit Kosten verbunden. Sie sind als Ausbildungsstätte staatlich anerkannt, daher können Auszubildende BAFÖG in Anspruch nehmen, sofern es sich um die Erstausbildung handelt. Unter bestimmten Voraussetzungen finanziert auch die Agentur für Arbeit die Ausbildung. Die Gesamtkosten werden als monatliche Beiträge fällig, sind von Schule zu Schule unterschiedlich und schwanken zwischen 300 und 400 Euro.