Logopädie Ausbildung

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Etwa ein Viertel der Erstklässler hat in Deutschland sprachliche Defizite. Die Fähigkeit, sich normal artikulieren zu können, ist keine Selbstverständlichkeit. Es sind nicht nur die Kinder, die sehr häufig unter Sprachstörungen leiden. Die häufigste Ursache von defizitären Sprachfähigkeiten sind vorangegangene Hirnschädigung, beispielsweise aufgrund von Demenz oder Schlaganfällen. Die Arbeit des Logopäden besteht nunmehr darin, die Sprachfähigkeit der Patienten, unabhängig davon, ob es Kinder, Erwachsene oder ältere Menschen sind, zu trainieren. Sensibilität und Einfühlungsvermögen sind zwei Charakteristika, die ein Logopäde als persönliche Eigenschaften unbedingt mitbringen sollte.

Obwohl die Kommunikation zu einem großen Teil auf soziale Medien verlagerte worden ist, ist das gesprochene Wort im Alltag nicht verzichtbar. Der Mensch unterscheidet sich gerade von anderen Arten dadurch, dass er seine Gedanken durch einzelne Worte unzusammenhängende Sätze nach außen transferiert. Als Kleidung der Gedanken, wie der berühmte englische Schriftsteller Samuel Johnson die Sprache bezeichnet hat, besteht die verantwortungsvolle Aufgabe des Logopäden darin, das Geschenk zu schützen und zu bewahren.

Die Ausbildung zum Logopäden:

Während der Ausbildung sollen dem künftigen Logopäden sämtliche theoretische Grundlagen vermittelt werden, die für die Ausübung des Berufes unerlässlich sind. Ein entscheidender Faktor für eine erfolgreiche Arbeit ist die Diagnose von Erkrankungen sowie Anomalien. Erkrankungen am Kehlkopf, an der Nase, am Rachen oder an den Ohren sowie den unteren Luftwegen können eine Ursache für sprachliche Defizite sein. Es ist daher unerlässlich, die gesamte Anatomie der Stimm- sowie Sprachorgane zu erlernen, um Krankheiten zu diagnostizieren und die Ursachen herzuleiten. Darüber hinaus sind auch die Zähne und der Kiefer häufig der Verursacher für eine Störung der Sprachfähigkeit. Kieferorthopädische Maßnahmen sind daher sehr wichtig bei der Berufsausübung. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Phoenetik.

Darunter ist die Lehre von Lauten zu verstehen. Während der Ausbildung lernt der künftige Logopäde, auf welche Art und Weise Sprechorgane überhaupt in der Lage sind, Laute zu erzeugen. Linguistik und Phonetik gehören zwangsläufig zusammen, da sie die Struktur und Grundlage des gesprochenen Wortes bilden. Die Ausbildung setzt sich allerdings nicht nur aus einem theoretischen Teil zusammen. Mehrere Praxisphasen sind ebenfalls in den Ausbildungsplan integriert, die in Kliniken, Rehazentren oder Logopädenpraxen durchgeführt werden. Es geht darum, dem Schüler in der Praxis zu zeigen, wie Therapieansätze koordiniert werden, nachdem sie zuvor bestimmt worden sind. Innerhalb der Logopädie gibt es eine Vielzahl von Therapiemöglichkeiten, deren Inhalt praktisch vermittelt werden soll, beispielsweise die Therapie der unterstützten Kommunikation, die rhythmisch-musikalische Erziehung sowie die Therapie, die von Castillo Morales und Brondo erfolgreich entwickelt worden ist.

Die Voraussetzungen für den Beruf des Logopäden:

Die Ausbildung zur Logopäden bzw. zum Logopäden setzt einen gewissen Schulabschluss voraus. Erwartet wird von den meisten Ausbildungsstätten ein mittlerer Schulabschluss, sodass es mit einem Hauptschulabschluss in der Regel schwierig wird, die Ausbildung zu beginnen. Unmöglich ist dies allerdings nicht, was sich unmittelbar aus dem Logopädengesetz ergibt. Gemäß § 4 Abs. 2 LogopG steht der Zugang zu der Ausbildung auch Hauptschülern offen, wenn sie im Anschluss eine abgeschlossene Berufsausbildung nachweisen können, die mindestens zwei Jahre gedauert hat. Ein mittlerer Schulabschluss sowie eine gleichwertige schulische Ausbildung sind allerdings der Regelfall. Einige Ausbildungsstätten sehen weitere Zugangsvoraussetzungen vor, die vom künftigen Schüler erwartet werden. Dies kann ein Nachweis über die Seh- und Hörfähigkeit oder ein Beleg über die gesundheitliche Eignung sein.

Da sich der Logopäde in seinem Beruf mit dem Wort, der Sprache sowie der Kommunikation miteinander beschäftigt, verlangen einige Schulen auch eine sehr gute schrift- und lautsprachliche Anwendung der deutschen Sprache, die ebenfalls in bestimmten Konstellationen nachgewiesen werden muss. Eine zentrale Rolle können auch die Noten auf dem letzten Abschlusszeugnis einnehmen. Gute Noten in den Fächern Musik, Deutsch sowie Biologie können die Chancen auf den begehrten Ausbildungsplatz deutlich erhöhen. Manche Ausbildungsinstitute vertrauen allerdings weniger auf die Schulnote, sodass auch Schülerinnen und Schüler mit mäßigen Schulleistungen in den Genuss einer Ausbildung kommen können. Diese verlangen allerdings von den Auszubildenden gewisse Stärken, die zur Ausübung dieses Berufes unerlässlich sind. Dazu zählen insbesondere ein verantwortungsvolles und einfühlsames Wesen, das besonders wichtig im Umgang mit Patienten sein wird. Die Begeisterung für den Beruf muss spürbar sein.

Auf Grundlage dieser Begeisterung sind Eigeninitiative, Belastbarkeit sowie Durchhaltevermögen entscheidende Faktoren für die Aufnahme in das Schulprogramm.

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Die Ausbildungsdauer zum Logopäden:

Insgesamt dauert die Ausbildung zur Logopäden bzw. zum Logopäden drei Jahre. Nach erfolgreich absolvierter Abschlussprüfungen erhält der Absolvent die Erlaubnis, eine Tätigkeit mit der Berufsbezeichnung „Logopäde“ aufzunehmen, §§ 1, 2 Abs.1 Nr.1 LogopG. Die Ausbildung wird an einer Berufsschule oder einer staatlich anerkannten Ausbildungsstätte absolviert. Den überwiegenden Teil verbringen die Schülerinnen und Schüler im theoretischen Unterricht. Abgeschlossen wird die Ausbildung mit einer Abschlussprüfungen, in der fünf schriftliche Prüfungen in den Hauptfächern geschrieben werden müssen.

Falls diese erfolgreich verlaufen sind, erwartet den Kandidaten noch eine mündliche Prüfung. Diese kann sowohl in einem Einzelgespräch als auch innerhalb einer Gruppe geführt werden. Damit endet die theoretische Prüfungsphase. Der praktische Teil besteht darin, dass eine echte Therapie simuliert wird. Von dem künftigen Logopäden wird hier erwartet, dass er die Anamnese erstellt und den Behandlungsplan entsprechend darauf anpasst. Im Anschluss daran soll die Behandlung praktisch vorgeführt werden. Es ist durchaus möglich, dass eine Prüfung trotz intensiver und sorgsamer Vorbereitung nicht bestanden wird. Sie kann bis zu zwei Mal wiederholt werden, sodass sich niemand von einem negativen Ergebnis abschrecken lassen sollte. Sobald alle Prüfungen erfolgreich bestanden worden sind, endet die Ausbildung zum Logopäden.

Die Ausbildungsfächer während der theoretischen Ausbildungszeit:

Der Logopäde ist eine medizinisch-pflegerischer Beruf, sodass sich die Ausbildungsfächer daran orientieren. Inhaltlich werden im theoretischen Unterricht insbesondere vier Fachgebiete abgedeckt. Insofern erfolgt die Vermittlung der Kenntnisse in den Fächern Pädagogik, Psychologie, Medizin sowie Logopädie. Jedes Fach kann in einzelne Lehrinhalte unterteilt werden. Zur Logopädie gehören beispielsweise die Kindersprache, die Aphasie (die Sprachstörungen), Stimmstörungen, Stottern, sensorische Integration oder die Lese-Rechtschreib-Schwäche. Im Bereich der Medizin findet die Ausbildung insbesondere in der Anatomie und Physiologie, der Pathologie, der Kinder- und Jugendpsychiatrie, der Kieferorthopädie sowie der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde statt. Die Psychologie setzt sich aus der klinischen Psychologie und der Pädagogik zusammen.

Ferner sind Phonetik, Soziologie sowie die Berufs- und Gesetzeskunde fester Bestandteil des Lehrplans. In welcher Reihenfolge die Fächer unterrichtet werden, hängt maßgeblich von der Ausbildungsstätte ab. Eine feste Vorgabe gibt es insoweit nicht. In der Regel werden in der ersten Phase die theoretischen Grundlagen vermittelt, beispielsweise die kindliche Entwicklung, Pädagogik, Sprachentwicklung und die Anatomie. Nachdem die Schülerinnen und Schüler erste praktische Erfahrungen gesammelt haben, werden auch die Therapien inhaltlich im Plenum miteinander besprochen. Neben der theoretischen Ausbildung in den einzelnen Fächern sollen die Auszubildenden auch Erfahrungen in Erster Hilfe sowie innerhalb der therapeutischen Kommunikation sammeln. Während des zweiten Ausbildungsjahres werden neurologische Fächer thematisiert.

Die Auseinandersetzung mit Themen wie Stimmbildung, Stimme und der Therapie von Stimmstörungen nimmt in der Regel den Kern während dieser Phase ein. Im dritten Ausbildungsjahr werden dann neurologische Inhalte vermittelt. Kurz vor den Abschlussprüfungen werden häufig Veranstaltungen zur Prüfungsvorbereitung bzw. zum Repetitorium angeboten, um den gesamten Ausbildungsstoff noch einmal wiederholen zu können.

Wer ist für die Ausbildung überhaupt geeignet:

Bei der Berufswahl steht die Frage, ob der auserwählte Beruf auch tatsächlich zu meiner Persönlichkeit passt, im Vordergrund. Wenn die Zusammenarbeit mit ganz unterschiedlichen Menschen, vor allem aber mit Kindern, nicht abschreckt, sondern das gewünschte Ziel ist, liegt eine wesentliche Voraussetzung für die Ausbildung vor. Des Weiteren sollten Interessierte ein wenig Kreativität mitbringen, da insbesondere während der praktischen Tätigkeit ein abwechslungsreiches Übungsprogramm erstellt werden muss. Geduld sowie Verständnis müssen für den Auszubildenden selbstverständlich sein. Ein freundliches und sympathisches Wesen sind unerlässlich, um dem Patienten offen zu begegnen. Grundvoraussetzung ist auch ein Interesse an psychologischen sowie medizinischen Fächern und Zusammenhängen. Eine Kerneigenschaft ist die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinversetzen zu können.

Im Berufsalltag erwarten Logopäden immer wieder unterschiedliche Situationen, auf die sie sich einstellen müssen. Zudem werden Patienten eine Vielzahl von Fragen haben, die sie mitunter nur sehr schwerfällig kommunizieren können. Der Logopäden sollte daher gut zuhören können und Spaß daran haben, seinem Gegenüber sämtliche Fragen ausführlich zu beantworten. Die Berufsausbildung zum Logopäden sollten nicht weiter in Erwägung gezogen werden, wenn Sprach- und Hördefizite vorliegen oder die notwendige Geduld nicht gegeben ist. Außerdem erfordert die Berufsausübung auch den Umgang mit behinderten Menschen. Das sollte dem künftigen Logopäden nicht schwer fallen und ihn auch nicht abschrecken.

Der Arbeitsbereich des Logopäden:

Nachdem die Ausbildung zum Logopäden erfolgreich abgeschlossen worden ist, stehen den Absolventen einige Türen offen, um sich beruflich niederzulassen. Insbesondere in Kliniken und Logopäden Fachpraxen werden nach wie vor Fachkräfte gesucht.

Die Tätigkeit ist in solchen Einrichtungen regelmäßig an feste Arbeitszeiten gebunden, wobei während der Arbeitszeit der Kontakt zu unterschiedlichsten Menschen hergestellt wird. Daneben gibt es auch spezielle Förderschulen, die regelmäßig auf der Suche nach Fachpersonal sind. Der Hauptteil der Arbeit besteht hier im Umgang mit Kindern. Möglicherweise entscheiden sich die Absolventen auch, sich in einer kleinen logopädischen Fachpraxis niederzulassen oder eine eigene zu gründen. Bei einer bestehenden Praxis arbeiten die Mitarbeiter in der Regel in kleinen Teams zusammen, wobei sie ganz unterschiedliche Patienten betreuen und beraten.

Wer sich hingegen für die Selbstständigkeit entscheidet, sollte neben der beruflichen Tätigkeit auch noch Zeit für den Aufbau sowie die Führung der Praxis einkalkulieren. Aufgrund der signifikant hohen Anzahl von Menschen, die unter einem Sprachdefizite leiden, handelt es sich beim Beruf des Logopäden um eine zukunftssichere Arbeitsaufgabe. Wie es für einen medizinisch-pflegerischen Beruf üblich ist, wird es auch für Logopäden immer neue Patienten geben.